Ausländische Abschlüsse

Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen

Bei den Anerkennungsverfahren stellt sich grundsätzlich immer die Frage, welchen Zweck Sie damit verfolgen. Möchten Sie eine Ausbildung oder ein Studium beginnen oder in ihrem erlernten Beruf arbeiten? Je nach dem, was Sie planen, sind unterschiedliche Wege erforderlich und denkbar.

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Zugang zu Ausbildung

Sofern Sie eine Ausbildung in Deutschland anstreben, sollten Sie Ihren ausländischen Schulabschluss anerkennen lassen. Dies erhöht Ihre Chancen einen Ausbildungsplatz zu finden. Die zuständige Behörde für die Anerkennung ihres ausländischen Schulabschlusses ist das Regierungspräsidium in Stuttgart. Ausführliche Informationen zu Antragsstellung, dem Verfahrensablauf sowie anfallenden Kosten finden Sie hier.

Zugang zum Studium

Falls Sie planen, in Deutschland ein Studium aufzunehmen oder fortzuführen, so liegt die Zuständigkeit für die Prüfung Ihrer Hochschulzugangsberechtigung oder die Anrechnung von im Ausland erbrachten Studienleistungen bei der Hochschule selbst. Die Entscheidungen können von Hochschule zu Hochschule variieren und sind für jeweils andere Hochschulen nicht bindend. Es lohnt sich daher sehr, sich an mehreren Hochschulen zu bewerben. Information zum genauen Verfahrensablauf und Prozedere erteilt Ihnen hierbei die jeweilige Hochschule.

Zugang zum Arbeitsmarkt

Wenn Sie im Herkunftsland einen Beruf erlernt haben und diesen in Deutschland ausüben möchten, so stellt sich als erste Frage, ob dieser Beruf reglementiert ist oder nicht.

Reglementierte Berufe sind so genannte zulassungspflichte Berufe. Das heißt, dass der Berufszugang sowie die Berufsausübung an den Besitz bestimmter Berufsqualifikationen gebunden sind. Wenn Sie im Herkunftsland einen Beruf erlernt haben, der reglementiert ist und diesen in Deutschland ausüben möchten, dann ist die Anerkennung Ihrer ausländischen Berufsqualifikation zwingend erforderlich. Beispiele für reglementierte Berufe sind: ÄrztInnen, KrankenpflegerInnen, AltenpflegerInnen, ErzieherInnen. Falls Sie sich nicht sicher sind, ob ihr Beruf reglementiert ist oder nicht, können Sie mithilfe dieser Datenbank eine Zuordnung vornehmen.

Nicht reglementierte Berufe sind nicht zulassungspflichtige Berufe. Dazu gehören die meisten Studienberufe sowie ca. 350 Ausbildungsberufe im dualen System wie z.B. kaufmännische Berufsabschlüsse, Handwerksberufe etc. Falls Sie im Herkunftsland einen Beruf erlernt haben, der nicht reglementiert ist und diesen in Deutschland ausüben möchten, dann ist das Anerkennungsverfahren optional, d.h. Sie können den Beruf auch ausüben ohne ein Anerkennungsverfahren zu durchlaufen. Damit potentielle Arbeitgeber Ihre Qualifikation besser einschätzen zu können, Sie nach dem entsprechenden Tarif entlohnt werden und um Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen empfiehlt sich jedoch auch bei nicht reglementierten Berufen ein Anerkennungsverfahren.

Akademiker mit einem nicht reglementierten Beruf

Bei akademischen Abschlüssen, die zu nicht reglementierten Berufen führen (z. B: Wirtschaftswissenschaften, Geistes- und Sozialwissenschaften, Sprachwissenschaften etc.) ist kein Anerkennungsverfahren möglich. Das trifft auf ca. 90% der Studienberufe zu. In diesem Fall haben Sie die Möglichkeit, Ihr ausländisches Hochschulzeugnis von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) bewerten zu lassen. Diese Bewertung gibt potentiell zukünftigen Arbeitgebern Auskunft über die Art und Dauer Ihres Studiums sowie über die Vergleichbarkeit der akademischen Ebene (Bachelor, Diplom, Master etc.) Diese Zeugnisbewertung gilt für alle Bundesländer.

Bei der Zeugnisbewertung handelt es sich jedoch nicht um eine Anerkennung. Die Zeugnisbewertung hat keinerlei rechtliche Folgen. Jedoch bestätigt sie, dass Sie über einen akademischen Abschluss verfügen. Jeder Arbeitgeber entscheidet selbst, wie viel ihm diese Zeugnisbewertung wert ist. Alle weiteren Informationen entnehmen Sie bitte der Homepage der ZAB.

Über die Anabin-Datenbank kann man vor der Antragsstellung im Vorfeld weitere Informationen zu dem jeweiligen Abschluss recherchieren.

Welche Behörde ist für das Anerkennungsverfahren zuständig?

Für die Prüfung der Gleichwertigkeit Ihres ausländischen Abschlusses sind unterschiedliche Behörden (Regierungspräsidien, Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern) zuständig. Bei der Suche nach der für Sie zuständigen Behörde, kann die Nutzung des Anerkennungsfinders sehr hilfreich sein.

Der Verfahrensablauf und mögliche Ergebnisse

Bei der Anerkennung von ausländischen Bildungsabschlüssen wird die im Herkunftsland erworbene Qualifikation mit der entsprechenden inländischen Qualifikation verglichen, es findet eine so genannte Gleichwertigkeitsprüfung statt. Maßgeblich dabei ist, ob es wesentliche Unterschiede im Hinblick auf deren Dauer sowie Inhalt gibt. Vorhandene Berufserfahrungen werden bei der Prüfung ebenfalls berücksichtigt. Das kann dazu führen, dass wesentliche Unterschiede ausgeglichen werden. Wichtig dabei ist, dass Sie ihre Berufserfahrung möglichst durch Arbeitszeugnisse etc. nachweisen können.

Nach der Gleichwertigkeitsprüfung sind drei verschiedene Ergebnisse möglich:

  1. Es gibt keine wesentlichen Unterschiede oder es gibt wesentliche Unterschiede, die Sie durch Ihre Berufserfahrung ausgleichen konnten. In der Konsequenz wird Ihnen hier die volle Gleichwertigkeit bescheinigt.
  2. Es gibt wesentliche Unterschiede und Sie verfügen über keine oder nicht ausreichende Berufserfahrung. In diesem Fall wird Ihnen eine teilweise Gleichwertigkeit bescheinigt (Teilanerkennung)und Sie erhalten die Möglichkeit, die Gleichwertigkeit durch das Absolvieren eines Anpassungslehrganges oder durch das Ablegen einer Kenntnisprüfung auszugleichen.
  3. Die Unterschiede bezüglich Dauer und Inhalt Ihrer Qualifikation sind so enorm (auch nach Berücksichtigung etwaiger Berufserfahrung), dass keine Gleichwertigkeit besteht. In diesem Fall wird Ihr Antrag abgelehnt.

Welche Unterlagen werden benötigt?

In der Regel müssen Sie folgende Unterlagen in Form von beglaubigten Kopien einreichen:

  • Tabellarischer Lebenslauf
  • Identitätsnachweis
  • Nachweis des im Ausland erworbenen Ausbildungsabschlusses
  • Nachweis über Berufserfahrung (Arbeitszeugnisse/Arbeitsbücher)
  • Sonstige Befähigungsnachweise (Weiterbildung)
  • Übersetzungen der ausländischen Dokumente

Welche Dokumente im Einzelnen benötigt werden, hängt von der zuständigen Anerkennungsstelle ab. Auch die Form der Unterlagen variiert von Behörde zu Behörde. Informieren Sie sich also am besten schon vor der Antragsstellung, welche Unterlagen in welcher Form eingereicht werden müssen. Die Übersetzungen müssen von einem öffentlich vereidigten Übersetzer angefertigt worden sein. Ob dieser im In- oder Ausland ansässig ist, spielt dabei keine Rolle. Falls Sie einen öffentlich vereidigten Übersetzer benötigen, können Sie diese Datenbank für Ihre Suche nutzen.

Dauer des Verfahrens

Die Behörde hat vier Wochen Zeit zu prüfen, ob der Antrag tatsächlich in ihre Zuständigkeit fällt und ob die eingereichten Unterlagen vollständig sind. Sobald der Behörde alle Unterlagen zur Verfügung stehen, hat sie zur Gleichwertigkeitsprüfung drei Monate Zeit.

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Kosten des Verfahrens

Die Kosten des Verfahrens variieren von Behörde zu Behörde und bewegen sich erfahrungsgemäß zwischen 100-600 Euro. Die Kosten sind dabei von Ihnen zu tragen. Sollten Sie sich im Arbeitslosengeldbezug befinden, ist eine Kostenübernahme seitens der Arbeitsagenturen / Jobcenter auf Antrag möglich. Es besteht jedoch kein gesetzlicher Anspruch darauf, die Bewilligung liegt im Ermessen der jeweiligen Behörde. Eine rückwirkende Antragsstellung ist nicht möglich.

Wenn Sie eine Anerkennung als Gesundheits- und KrankenpflegerIn in Baden-Württemberg anstreben:

Es handelt sich hierbei um einen reglementierten Beruf, den Sie erst ausüben können, wenn Sie das Anerkennungsverfahren erfolgreich durchlaufen haben. Zuständig für den Antrag ist das Regierungspräsidium in Stuttgart. Der Antrag steht hier zum Download bereit. Diesem können Sie ebenfalls entnehmen, welche Unterlagen in welcher Form einzureichen sind sowie die zuständigen Ansprechpartner innerhalb der Behörde inklusive derer Kontaktdaten und telefonischer Sprechzeiten.

Abschlüsse aus EU-Staaten

Sofern Sie über einen Abschluss aus einem EU-Staat verfügen, erfolgt eine automatische Anerkennung nach EU-Richtline. Dies gilt für alle ausländischen Krankenpflegeausbildungendie in einem EU-Staat nach dessen Beitritt zur EU begonnen wurden (Stichtagsregelung). In diesem Fall erfolgt keine individuelle Prüfung der Ausbildungsinhalte, sondern die Anerkennung wird auf Antrag automatisch erteilt. Diese Vorgehensweise wird durch einheitlich vereinbarte EU-Ausbildungsstandards möglich.

Falls Sie über eine so genannte EU-Altausbildungen (vor Stichtag absolviert) verfügen, erfolgt die automatische Anerkennung unter folgenden Bedingungen:

Vorlage einer Konformitätsbescheinigung nach RL 2005 36 EG über:

  • die Gleichwertigkeit des Diploms oder
  • die 5-jährige Berufstätigkeit in der allgemeinen Pflege innerhalb der letzten 7 Jahre oder
  • die 3-jährige Berufstätigkeit in der allgemeinen Pflege innerhalb der letzten 5 Jahre

Falls keine Konformitätsbescheinigung vorgelegt werden kann, erfolgt eine individuelle Gleichwertigkeitsprüfung der Ausbildungsinhalte und -dauer auf wesentliche Unterschiede unter der Berücksichtigung bereits gemachter Berufserfahrung.

Abschlüsse aus Drittstaaten

Bei allen Ausbildungen, die außerhalb von der EU absolviert wurden erfolgt eine individuelle Gleichwertigkeitsprüfung der Ausbildungsinhalte und Dauer auf wesentliche Unterschiede unter der Berücksichtigung bereits gemachter Berufserfahrung.

Sollte das Ergebnis eine Teilanerkennung sein, haben Sie die Möglichkeit zwischen einem Anpassungslehrgang oder einer Kenntnisprüfung zu wählen.

Wenn Sie eine Anerkennung als staatlich anerkannte/r ErzieherIn in Baden-Württemberg anstreben:

Um als ErzieherIn (in Kindergärten oder Kinderhorten) arbeiten zu können, müssen Sie die Anerkennung als staatliche/r ErzieherIn beim Regierungspräsidium Stuttgart beantragen. Hierfür ist in der Regel der Abschluss einer erzieherischen Ausbildung oder eines erziehungswissenschaftlichen Studiums nötig. Den Antrag stellen Sie bei folgender Behörde:

Regierungspräsidium Stuttgart Abt.7 (Anerkennungsstelle Erzieher), Postfach 10 36 42, 70031 Stuttgart

Weitere Informationen finden Sie auch auf der Website des Regierungspräsidiums Stuttgart.

Sofern Sie über ein Lehramtsstudium im Grundschulbereich verfügen, das Sie im Herkunftsland ebenfalls zu einer Tätigkeit als ErzieherIn berechtigt hat, müssen Sie die Bewertung Ihres Lehramtsstudienganges für die Arbeit als ErzieherIn beim Regierungspräsidium Tübingen beantragen. Weitere Informationen rund um die Antragstellung entnehmen Sie bitte der Webseite des Regierungspräsidiums Tübingen. Der Antrag steht dort auch zum Download bereit. Kreuzen Sie dort bitte folgende Option an: Bewertung von ausländischen Lehramtsstudiengängen für sonstige berufliche Zwecke (auch KITA)

Das Regierungspräsidium erstellt einen Zwischenbescheid, der zusammen mit den eingereichten Unterlagen zur weiteren Bearbeitung an die dafür zuständige Stelle beim Regierungspräsidium Stuttgart weitergereicht wird. Sie erhalten von dort dann einen Endbescheid.

Unabhängig davon, ob Ihre Grundqualifikation eine erzieherische Ausbildung, ein erziehungswissenschaftliches Studium oder ein Grundschullehramtsstudium ist, sind dies die möglichen Ergebnisse nach der Gleichwertigkeitsprüfung:

  1. Die volle Anerkennung. Sie erhalten dann eine Berufszulassung mit dem deutschen Referenzberuf bzw. als Fachkraft im Sinne des KitaG § 7 Abs. 2.
  1. Eine Teilanerkennung mit Auflagen. In der Regel handelt es sich dabei um ein 6-12-monatiges, angeleitetes Praktikum, das z.T. auch in Jugendhilfeeinrichtungen absolviert werden muss sowie einer 15-20-seitigen Abschlussarbeit.
  1. Ablehnung. In Fall wird meist auf die Möglichkeit der Teilnahme an einer Schulfremdenprüfung hingewiesen.

Die Schulfremdenprüfung

Die Schulfremdenprüfung bietet die Möglichkeit, ohne Schulbesuch den schulischen Abschluss an der Fachschule für Sozialpädagogik zu erwerben. Die Prüfung umfasst dabei den Inhalt und Wissensumfang einer regulären Ausbildung inländischen Ausbildung, d.h. 2400 Unterrichtsstunden. Nach Bestehen der Schulfremdenprüfung folgt das einjährige Berufspraktikum, auch Anerkennungsjahr genannt. Dieses kann bei Vorerfahrung oder entsprechenden Leistungen verkürzt werden. Die Entscheidung diesbezüglich liegt bei der jeweiligen Fachschule.

Für die Vorbereitung auf die Prüfung sollten Sie ca. 1,5 Jahre einplanen. Zum Teil werden dafür aber auch regional Vorbereitungskurse angeboten, die zum Teil auch von den Arbeitsagenturen und Jobcentern subventioniert werden. Termine für die Schulfremdenprüfung werden zweimal im Jahr angeboten. Weitere Informationen diesbezüglich finden Sie hier.